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Von Überschwemmungen und anderen Pannen Der RVC Gilching damals und heute Am Anfang war das Wort....., oder wie heißt das?? Nein es war nur eine fixe Idee von Bettina Meffert (heutige Groß). Aus mir nicht bekannten Gründen entschloss sie sich 1985, ihr Leben völlig zu verändern. Sie pachtete die Reitanlage im idyllischen Heinrichshofen. Ja, Ihr werdet den Ort verzweifelt auf der Landkarte suchen, genau, es ist wirklich der Mittelpunkt der Welt. Soweit ich mich erinnern kann, wusste dort kein Mensch, was Voltigieren eigentlich ist. Bettina, voltibesessen wie sie ist/war, sammelte sämtliche Kinder, die auf der Reitanlage waren (sieben Stück an der Zahl) ein und gründete die erste Voltigruppe. Zu allem Glück standen da auf der Anlage noch ein paar Pferde rum und, siehe da, es fand sich auch eins, das von Bettina zum Voltigierpferd auserkoren wurde. Nun war es sicherlich nicht Bacis Bestimmung Voltigierpferd zu werden, aber er war der Geeignetste von allen. Ich habe bis heute keine Ahnung, woher unser erster Voltigiergurt stammte, aber das ist ja auch völlig egal. Zur sofortigen Vereinsgründung fehlten, soweit ich weiß, noch einige stimmberechtigte Mitglieder. Niemand war scheinbar so verrückt und wollte sich daran beteiligen. Bettina hat aber nach Längerem auch das hinbekommen. Der VV Heinrichshofen war gegründet. Voller Euphorie erklärte Bettina der Voltiszene, dass am 01.05.86 ein Voltigierturnier auf der Anlage in Heinrichshofen stattfinden sollte. Siegessicher meldete sie auch unsere Gruppe an. Ein Problem gab es aber nach wie vor, es fehlten uns Trikots und, ganz unwesentlich, noch ein Voltigierer. Wir waren immer nur noch zu siebt. Bettina, die noch gute Kontakte zum VV Starnberg hatte, lieh sich kurzer Hand ein Voltimädel und auch Voltitrikots. Es waren wohl die älteren blauen Trikots von Starnberg, was nicht weiter schlimm gewesen wäre, aber die Dinger hatten einen angenähten Rock und wir drei Jungs. Wie in aller Welt sollte das nun wieder gehen? Auch da hatte Betty die Lösung: "Einfach eine weiße, kurze Turnhose über den Rock, ja das macht schlank!!" Unsere Jungs sahen aus wie... Trotz aller Widrigkeiten konnten wir starten und belegten, ja es ist kaum zu glauben, den letzten Platz mit einer Traumnote von 1,083. Unser Verein war zwischenzeitlich etwas gewachsen und wir benötigten ein weiteres Voltipferd. Finanzielle Mittel waren sicherlich noch nicht im ausreichenden Maße vorhanden, deshalb erfüllte sich Bettina einen lang ersehnten Traum. Sie kaufte sich einen Haflinger und stellte ihn dem Verein zur Verfügung. Aber musste es ausgerechnet ein ausrangierter Zuchthengst sein? Ja es musste. |
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![]() Gilbhart vor seiner Voltikarriere: 1978 bestand er seine Hengstleistungsprüfung mit Bestnoten (links) und wurde Siegerhengst auf dem Zentrallandwirtschaftsfest (rechts). |
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![]() 1986 war Gilbhart wieder auf dem ZLF zu sehen, zwar immer noch als Hengst, mittlerweile aber auch Voltigierpferd. |
![]() Ulles Voltigieranfänge auf Baci. Wer hätte damals gedacht, dass sie mal Bayerische Meisterin wird? |
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Gilbhart, damals elfjährig, wurde ein Standbein unseres Vereins und war es lange, lange Zeit. Er war etwas ungestüm und der erste Versuch, ihm das Voltizeug aufzulegen, dauerte ca. 20 Minuten und beanspruchte ca. zwei bis fünf Personen. Es stellte sich aber schnell heraus, dass er das ideale Kinderpferd war und so erledigte er die Mission "Voltipferd" mit Bravour. Was machte es da schon aus, dass die Erwachsenen ihre liebe Müh und Not mit ihm hatten? Uns Voltigierern war's egal. Auch auf Turnieren war Gilpi ein Gewinn. Kein Turnier ohne Katastrophe. Wir mussten uns dann aus gesundheitlichen Gründen von Baci trennen. Der VV Starnberg war mal wieder Rettung in letzter Not und bot uns Daisy für wenig Geld an. Man könnte es auch anderes nennen: Wir waren die letzte Möglichkeit für den VV Starnberg, Daisy irgendwie los zu werden. Daisy war nicht wirklich zum Voltigierpferd geboren, als Reitpferd war sie nur unwesentlich tauglicher. Sie konnte bocken, dass die Wände wackelten. Wir kauften sie trotzdem und hatten anfänglich so unsere Schwierigkeiten mit ihr. Sie schien nicht unbedingt geeignet, aber wir haben es dann doch noch geschafft und hatten sie lange Jahre bei uns im Verein. Die Einführung des Voltigierpads machte das Handling mit Daisy etwas einfacher. Das Ende in Heinrichshofen nahte und einerseits waren wir alle sehr traurig, aber auch zuversichtlich. Endlich nur "Einsteller" in einem Stall, ohne Arbeit und viel Schweiß. Ja denkste, wir zogen im November 1988 nach Mischenried und da ging's dann erst richtig rund. Heinrichshofen war ein Abenteuer und Mischenried die Katastrophe. Allein der Umzug war abenteuerlich. Mit Bettinas orangefarbenem Fiat Ritmo (Kleinwagen) transportierten wir dies und das nach Mischenried. Die Krönung war aber eine Schubkarre (fast größer als der PKW). Diese wurde kurzerhand aufs Dach gepackt, irgendwie befestigt und los ging's, 30 Kilometer in Richtung Mischenried. Bereits nach ca. 5 Kilometern machte dieses Ding da oben was es wollte, und als wir dann in Mischenried ankamen, hing es etwas windschief auf dem Autodach. Gelungene Einführung, so finde ich. Wir bezogen mit unseren beiden Pferden einen kleinen Stall und machten uns dann auch schell breit auf der Anlage, übernahmen nach kurzer Zeit die heimliche Führung, belegten begehrte Hallenplätze, was uns den Zorn der übrigen Einsteller zusicherte. Uns war's einerlei, Hauptsache Volti. Natürlich mussten wir einen neuen Verein aufbauen, die wenigsten Mitglieder folgten uns nach Mischenried. Eine Vereinsumbenennung war notwendig und der VV Mischenried wurde geboren.
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Wie wir sehr schnell feststellten, mussten wir in Mischenried genauso anpacken wie in Heinrichshofen, also hatte es sich für uns nicht wirklich verändert. Vom Heuabladen über Misten und Füttern war alles geboten. Bis eines Tages ein Wolkenbruch unseren Stall in ein Aquarium verwandelte. Unser Ställchen lag idyllisch vor einem kleinen Weiher, was uns zum Verhängnis wurde. Das Wasser kam in Strömen in unseren Stall gelaufen (ungefähr kniehoch), was eine Evakuierung der Pferde, die etwas außer sich waren, nach sich zog. Später mussten wir den Stall eigenhändig renovieren; d.h. erst mal die vollgesogene Einstreu rausschaffen, Wasser rausschippen, Sägemehl zum Trocknen reinschaufeln und anschließend wieder raus - alles per Hand. Nach ein paar anstrengenden Tagen war es vollbracht und die Pferde konnten in einen renovierten Stall einziehen. All das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn sich dieses Schauspiel nicht mehrmals innerhalb eines Jahres wiederholt hätte. Etwas Gutes hatte es: Die Pferde wurden routinierter, was die Evakuierung deutlich einfacher machte. Sie erwarben nach und nach den Freischwimmer und ließen sich durch ein bisschen Wasser, bis knapp unter den Bauch, nicht ernsthaft aus der Ruhe bringen. Auf vier Jahre hochgerechnet, waren es einige 1000 m³ Wasser, die wir mühevoll rausschaufeln mussten. Wir hatten zwischenzeitlich mehrere Pferde, überwiegend Hengste (Gaufürst und Akki) hinzugekauft, und der Verein vergrößerte sich allmählich. |
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![]() Der Schulpferdebestand vergrößerte sich allmählich: Gaufürst (hier zu sehen mit Nina Steeb -damals Dyrbusch-, die zu dieser Zeit begann, die Reitabteilung aufzubauen), Felix, Davino, Napoleon, Marengo und Scirocco kamen in Mischenried dazu. |
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1993 gab es drastische Veränderungen auf Gut Mischenried: Pächterwechsel. Die Interessen des neuen Pächters und die Vorstellungen unsererseits passten überhaupt nicht zueinander und so entschlossen wir uns wieder einmal zum Umzug. Wir zogen nach Gilching, auf die Reitanlage Niedermaier. Dort waren wir wieder Selbstversorger und das Ganze ging von vorne los, nur diesmal in der verschärften Version. Wir hatten insgesamt 26 Pferde zu versorgen und waren nun ein "kleiner Betrieb", was wiederum bedeutete: Anpacken, anpacken und nochmals anpacken. Im Sommer Heuernte und im Winter Wasserschleppen, von den alltäglichen Dingen mal ganz abgesehen. Alles reine Gewöhnungssache. Eine Vereinsumbenennung war wieder einmal nötig und nach langem Hin und Her wurden wir der RVC Gilching. Unsere Reitabteilung wurde damals von Nina Steeb (früher Dyrbusch) geleitet, was mit Einmischung von Bettina manchmal nicht so ganz einfach war. Sie hielt aber tapfer durch und langsam wurde es ja auch in Sachen Reiten besser. Die Pferde wurden besser ausgebildet, was das Voltigieren deutlich einfacher machte. Mit Lagun ging's bergauf. Die erste Turniergruppe konnte in "A" Aufsteigen und war doch recht erfolgreich. Ulrike Netschajew (damals Wollner) wurde 1996 sogar Bayerische Meisterin im Einzelvoltigieren. Sowohl in Mischenried, als auch in Gilching veranstalteten wir das ein oder andere Turnier. In Gilching war uns das Wetter nicht ein einziges Mal wohlgesonnen. Regen war immer angesagt, was die Anlage in eine Schlammpfütze verwandelte. Wir hatten auch nur eine Halle, und so mancher Ausbilder kann sich noch mit Entsetzen daran erinnern, völlig durchnässt in den Turnierzirkel einlaufen zu müssen. |
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![]() Caren Lesser und Irmi Straub wurden eine wichtige Stütze des Vereins. |
In Gilching machten wir erstmalig Bekanntschaft mit Caren Lesser und Irmgard Straub. Heute sind sie, genauso wie viele andere, aus unserem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken. Unsere Vereinsstrukturen waren seit jeher etwas lockerer und irgendwie nur schwer in den Griff zu bekommen. Zunächst waren Irmi und Caren "nur Einsteller". Schon bald aber hatte Irmi ein neues Betätigungsfeld entdeckt und kümmerte sich um die Finanzen. Mahnschreiben wurden häufiger und die Drückeberger hatten keine Chance mehr, was der finanziellen Lage im Verein gut tat. Der Verein war mittlerweile so groß geworden, dass Bettina in diesem | ||
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Bereich eine Entlastung
gerne annahm. Caren und Irmi entlasteten auch Nina, die damals
unzählige Reitstunden in unserem Verein gab. Anfang 1998 mussten wir dann
auch diese Anlage wieder verlassen. Eine Reitanlage für einen Verein zu
finden ist bekanntlich nicht gerade einfach. Da war die Entscheidung, wieder
zurück nach Mischenried zu gehen, schnell getroffen, zumal sich auch dort
einiges getan hatte. Der Grund für unseren damaligen Auszug war beseitigt
und Tür und Tor standen uns nun wieder offen. So zogen wir also wieder um.
Sehr zur "Freude" der dort befindlichen Einsteller. Einige kannten uns noch
von früher und schlugen die Hände über dem Kopf zusammen: "Hilfe, die Voltis
kommen!". Tja, Pech gehabt! Wir hatten es uns in den Kopf gesetzt und da
waren wir. Wir zogen mit unseren zwischenzeitlich sieben eigenen Pferden ein
(natürlich nicht ins Aquarium). Der Verein war durch den Umzug diesmal nicht so „geschädigt“ sodass es stetig bergauf ging. Pferde wurden ge- und verkauft und Nina, Irmi und Caren brachten die Reitabteilung auf Vordermann. Gut Mischenried war doch schon deutlich in die Jahre gekommen. Aber das Schicksal ist manchmal gnädig und ein Lichtblick am Horizont erschien. Das Gut sollte versteigert werden! Dr. Petra Wichmann kaufte im Jahr 2000 die Anlage und renovierte sie zunächst notdürftig, denn sie wollte sich einen Traum verwirklichen. So mussten wird noch zwei Jahre in den alten Stallungen fristen, bis wir dann 2002 in die neu gebaute Anlage umsiedeln konnten. Seither stehen unsere Pferde, mittlerweile sind es elf, in Laufställen und erfreuen sich bester Gesundheit und Laune. Die kleine, alte Reithalle wurde renoviert und steht uns nun fast alleine zur Verfügung. Selbstverständlich können wir auch die neue 20 x 60 Meter Halle zum Reiten und Voltigieren nutzen. Frau Dr. Petra Wichmann sieht den Verein mit all seinen Vorzügen und Nachteilen als Bereicherung für die Stallgemeinschaft. Somit lautet die Devise: Voltigieren und Reiten pur und in allen Lebenslagen. Nicht nur die Voltigierabteilung hat sich rasant vergrößert, auch unsere Reitabteilung hat ein stattliches Ausmaß angenommen und die Reiter nahmen mittlerweile erfolgreich an Turnieren der Kl. E und A teil. Beim Einzelvoltigieren war unser Verein schon seit 1995 diverse Male auf Deutschen Meisterschaften im vorderen Bereich vertreten gewesen. 2006 - pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum - gelang der 1. Turniergruppe nun ebenfalls die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft. 2006 war jedoch noch ein besonders Jahr, denn die amerikanische Einzelvoltigiererin Mary Mc Cormick lieh sich für die Weltreiterspiele in Aachen ein Vereinspferd um dort zu starten. Calisto war also das erste WM-Pferd für den RVC Gilching, wenn auch mit Fremdbesetzung. Seit unserem Rückgang nach Mischenried geht es nun kontinuierlich bergauf. So ist es 2010 erstmals gelungen, zwei Voltigiergruppen zur Deutschen Meisterschaft zu schicken. Das Seniorteam Gilching 1 und das Juniorteam Gilching 1. Beide Gruppen waren unter den zehn besten Gruppen Deutschlands. 2010 stand aber noch ein weiteres Highlight an. Die brasilianische Voltigiermannschaft lieh sich unser Erfolgspferd Diva samt Ausbilderin Bettina Groß für die Weltreiterspiele in Kentucky. So kam es, dass Diva einen kleinen Trip nach Amerika machte und dort für das brasilianische Team lief. Die Gruppe erreichte als beste nichteuropäische Nation den hervorragenden 6. Platz und Diva wurde von den Richtern mit den allerbesten Pferdenoten gekürt. Sie war somit das beste Pferd der Weltreiterspiele 2010 in Kentucky im Bereich Gruppenvoltigieren. Wer nun glaubt, dass 2010 nicht zu toppen war, der irrt (gut Weltreiterspiele gab`s jetzt nicht), denn auch 2011 waren wieder beide Teams – Junior 1 und Senior 1 – bei den Deutschen Meisterschaften am Start. Gilching Senior 1 belegte einen hervorragenden 5. Platz, die bisher beste Platzierung für uns auf einer Deutschen Meisterschaft. Auch das Juniorteam konnte die gute Leistung vom Vorjahr bestätigen und errang den 12. Platz. Seit den bescheidenen Anfängen in Heinrichshofen und dem jetzigen RVC Gilching liegen ungefähr 250 Mitglieder, 50 Pferde, tausende Arbeitsstunden oder noch mehr, aber vor allem viel Freude, kurzum einfach 25 Jahre mit vielen Höhen und Tiefen. An dieser Stelle sei allen gedankt, die mitgeholfen haben, den RVC Gilching so zu gestalten, wie er heute ist. Seid weiterhin so fleißig und dem Wohl des Vereins zugetan, dann steht den nächsten 25 Jahren nichts mehr im Wege. Ulrike Netschajew |
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